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Appetenz oder Führung?

Das technische Training beim IPO Hundesport konzentriert sich wohl eher auf die Performance bei einer Prüfung, die Art und Weise wie der Hund ein Verhalten ausführt. Es soll “schön” oder noch besser “kurios” aussehen, das wünschen sich viele, aber die Sinnhaftigkeit ergibt sich nur aus einer evt. besseren Bewertung auf Prüfungen. Die tatsächliche Nutzung scheint mir auf ein paar Minuten bei einem Wettkampf oder Prüfungen sehr eingeschränkt.

Im privaten Bereich braucht man das eigentlich nicht, dort steht die Funktion vor dem Ausdruck. Hier reicht es den Führungsanspruch durchzusetzen und auf die natürlichen Verhaltensweisen des Hundes zuzugreifen. Jeder Hund kann stehen, sitzen, folgen, bellen, beissen usw ….

Das eine kann dem anderen hinderlich sein. Ein Sporthund lebt von Appetenz, ein Familienhund von Orientierung.

Führe ich einen Hund ausschließlich im Sport, erzeuge ich Appetenz und es gibt keine Probleme, halte ich einen Hund als Sozialpartner ohne sportliche Ambitionen, erzeuge ich Orientierung und es gibt auch keine Probleme. Schwieriger wird es wenn ich irgendwo beides will.

Das was aus meiner Sicht heutzutage zu vielen Problemen führt, im sportlichen wie auch im privaten Bereich, ist das trainieren von mehr und mehr Appetenz im Hund. Von Welpen Alter an werden Hunde dazu verdonnert mehr und mehr in Erwartung einer Belohnung zu sein. Gut trainiert folgt daraus ein trieblich über den Maßen hinaus engagierter Hund der später geregelt werden muss. Die Trieb Energien sind so ausgeprägt das Kontrolle verloren geht, und die dann über Zwangsmaßnahmen wieder eingefordert wird. Schlecht trainiert führt das vermeintlich “positiv” bestärkende Training dazu das die Hunde trieblich eher passiv werden. Auch diese Hunde werden später mit Zwangsmaßnahmen konfrontiert, man versucht sie zu aktivieren. So findet sich in dem ganzen positiven Training und gut gemeintem Aktionismus am Ende ein Hund wieder, der so oder so mit vielem negativen Bekanntschaft machen muss.

Vor vielen Jahren gab es mehr Schnittmengen bei der Ausbildung von Hundesportlern und Hundehaltern. Der Grund liegt wahrscheinlich darin, dass die zu erwartenden Leistungen auf Prüfungen nicht die heutigen Anforderungen im Sport hatten, und das das Training nicht so anspruchsvoll war. Der Sporthund war meistens sogar der Familienhund. Es war möglich beides in einem zu haben, im Ergebnis allerdings mit nicht so getunten Leistungen wie das heutzutage der Fall ist.

Chris & Detlef Berensmann